Ein paar Panorama-Schiebedächer, A-Klasse MANUFAKTUR-Editions oder T-Modelle für China werden uns wohl kaum langfristig retten, sorry...
Die Vielschichtigkeit der Veränderung ist nicht eine simple "technologische Überlegenheit" oder ein paar optische Retuschen (warum sind da immer noch so viele Taycan-Kopien?) - das hat auch die Auto China 2026 gezeigt. Nichts was dort gezeigt worden wäre, hätte ohne Probleme nicht auch in einem Entwicklungszentrum in München, Sindelfingen, Weissach, Wolfsburg oder Ingolstadt auf die Beine gestellt werden können.
Die entscheidenden und unterscheidenden Faktoren sind für mich andere, weswegen auch die herkömmlichen Methoden (Design, Ausstattung, Antrieb, Preis) nur bedingt wirksam sind:
Rahmenbedingungen:
Ein "semi-permeabler" Markt - ein nach außen hin abgeschotteter Markt (ex Joint Venture-Zwang, staatliche Einflussnahme und Subventionen, staatlich getriebene Softwareabschottung), der aber wunderbar von Innen nach Außen hin das erworbene Know-How und Produkte heraus fließen lässt. Quasi eine Art staatlich unterstützer Inkubator mit nahezu perfekten Rahmenbedingungen (Subventionen, Rohstoffe, Kosten, Löhne, Bildung, incentivierte Nachfrage).
Markt:
Getrieben durch die Rahmenbedingungen herrscht zurzeit ein vollkommenes Übermaß an Herstellern und Produkten auf dem chinesischen Markt. Was wiederum zu einem nicht nachhaltigen Preisniveau geführt hat, was die allermeisten Hersteller auf mittelfristige Sicht nicht durchstehen werden können. Findet eine Marktbereinigung durch Übernahmen oder Insolvenzen statt, so bleibt noch immer ein weiterer entscheidender Faktor: Die Kosten.
Kosten:
China ist einfach billiger von A bis Z was die Entwicklung und Produktion von Fahrzeugen angeht. Das heißt nicht qualitativ schlechtere Fahrzeuge. Sind sie billiger weil sie mehr und länger arbeiten, weil sie weniger verdienen vom Ingenieur bis zum Bandarbeiter, weil sie eine hoch simplifiziertes Angebot an Fahrzeugen haben und weil von sie jede neue Fabrik in jeder neuen Provinz massiv subventioniert bekommen.
Angebot:
Aufgrund Markt und Kosten (v.a. Subventionen einer jeden neuen Provinz) ein nahezu unendliches Angebot an Marken und Modellen. Diese aber in nur kleinstmöglichen unterschiedlichen Ausprägungen: Wenig Aggregate-Auswahl, wenig Sonderausstattungsoptionen, einige wenige Pakete. All das bringt massiv die Kosten in der Produktion herunter. Und parallel beschleunigt es erheblich die Entwicklungszeit: Wo weniger Komplexität und Optionen, da schnellere Umsetzung.
Konsumentenverhalten:
Aktuell weiterhin eine andauernde Konsumflaute im China, eine steigende Arbeitslosigkeit bei Jung-Akademikern und ein deutlicher Trend hin zu "Made in China"-Produkten mit wachsendem nationalen Selbstbewusstsein.
Was bleibt damit aus meiner Sicht in der Konsequenz? - Modelle in China für China entwickeln lassen aufgrund Kosten, Umsetzungsgeschwindigkeit und Nähe zum Markt (kann Sindelfingen definitiv nicht erfreuen), das Angebot an die Wünsche des Marktes noch stärker ausrichten sowie für die Konsumenten relevanter und erreichbarer werden, sprich so gut es geht klar machen, dass auch "die alten ausländischen Hersteller" E-Fahrzeuge können und über die lokale Entwicklung die Preise so gut es geht mitzugehen ohne die Marke und Positionierung zu ruinieren. Ob das für das Design heißt sich eher dem Markttrend anzupassen - oder genau das Gegenteil zu tun: Bisher scheint nicht wirklich beides gezündet zu haben: Weder ein EQS noch ein BMW i7 sind in China durch die Decke gegangen. Und auch ein Audi hat weder als A6 etron noch als E5 Sportback (Achtung: Kombi!) gezündet.
Ob ich nun beim chinesischen Konsumenten offene Türen einrenne, wenn ich einen klassischen Mercedes in Look & Feel mit einem Haufen China-Tech paare, werden die kommenden Monate und Jahre zeigen. Für mich dreht sich der "Planet" China immer stärker um sich selbst, mit rapide sinkendem Interesse dafür, was für andere Produkte offeriert werden.
Hätte man einige Entwicklungen ein wenig mit Feingefühl ahnen können oder müssen? Mit Sicherheit, da hätten bei allen viel früher eine Sensibilität für herrschen müssen. Auf der anderen Seite hat auch die Politik in Europa vollkommen planlos agiert, indem man ernsthaft geglaubt hat, man würde irgendwann ein "equal level playing field" mit offenen Märkten und Warengrenzen mit China erreichen.
Wäre es also trotzdem möglich gewesen, die chinesischen Autobauer langfristig "klein zu halten"? Ich denke nicht, wir hätten vermutlich einfach nur einen Versatz von ein paar Jahren oder eine etwas langsamere Entwicklung erlebt, denn die "Chinesisierung" des Konsumentenverhaltens hätte sich so oder so staatlich gelenkt und indoktriniert ergeben.
Von daher ist die aktuelle Lage herausfordernd, sie ist aber bei weitem nicht unlösbar. Sie ist aber eine Anpassung an neue Realitäten und es wäre nach wie vor ein Traum, wenn fahrradfahrende Soziologiewissenschaftlicher nicht die europäische und deutsche Wirtschaftsleistung einer Branche kaputt reden würden, die die Fahrradwege bezahlt. - Sorry, habe mich gerade wohl am Knie gestoßen. 

Ergänzung: Verhältnismäßig ähnlich fällt das Urteil der Automobilwoche zur Auto China 2026 aus: Die fünf wichtigsten Erkenntnisse der Automesse in Peking
Ruhiger als zuletzt, ruinöser Preiskampf in dem keiner der Chinesen Geld verdient, "China Stolz" bei den Käufern und ein chinesischer Staat, der Subventionen zurückfährt aber auch eine weiter steigende Arbeitslosigkeit nicht risikieren möchte. Zudem die Europäer, die als einzige ausländische Hersteller noch Relevanz in China haben, Technik auf Augenhöhe, viel Marketing mit der Unternehmenshistorie bei BMW und MB, zudem Design, dass sich aus dem Einheitsbrei (Lichtleiste vorne hinten, rundgelutscht, riesige Displays) abhebt.