Genau das trifft es. Natürlich ist die Produktion in D teuer, aber es liegt eben nur zu weniger als 20% an den Lohnkosten. Wo bleibt der Druck, endlich die Energiekosten in D zu reduzieren, die nirgends in der EU höher sind? Wo bleibt der Druck, die völlig aus dem Ruder gelaufenen Sozialbeiträge zu verringern? Und so könnte man noch eine Weile weiter machen. Aber es ist ja so einfach, die Belegschaft zu erpressen. Außerdem teile ich das Statement von Swissbob , dass bei MB das "Made in Germany" immer noch sehr viel mehr zählt, als das "Made bei Mercedes", von dem man nicht mehr allzu viel hört.
Eh, der Druck auf die Politik? Also ich bin mir nicht sicher, aber ich habe in den letzten 5 Jahren schon so viel Druck auf diversen Wegen auf die Politik gesehen, wie noch nie zuvor. Sei es über Verbände (VDA, BDI, BDA...) oder von Unternehmen direkt. Doch unterschiedliche politische Couleur widerspricht entweder den Fakten oder ignoriert sie bislang einfach. Stattdessen gibt es bei jedem bisschen vernünftigen Einwand zur Gestaltung von Regulatorik in der EU gleich einen öffentlichen Aufschrei, dass "die böse Industrie" mal wieder irgendwelche Ziele aufweichen möchte oder sich gegen eine Zwangsverbau von einem nervtötend bimmelnden Assistenten sperrt.
Der Kundenkreis, für den "Made in Germany" im Bereich Automobil noch wahrlich wirklich bares Geld wert ist beschränkt sich auf das aller oberste Segment. Niemand* würde für eine A-Klasse, C-Klasse oder E-Klasse mehr Geld ausgeben nur weil die Sindelfingen gebaut wäre. Und selbst, wenn - wenn nur ein Wettbewerber ein gleichwertiges Fahrzeug billiger im Ausland zusammen gebaut bekommt und damit im Verkauf permanent und dauerhaft unterbieten kann (um Marktanteile zu erzielen, um Verkaufszahlen aufzuhübschen etc.) ist das ein Kampf, den man in der breiten Masse eben nicht nur durch "ein besseres Produkt" gewinnen kann.
Ein paar weitere interessante Beispiele:
Gab es keinen Kunden-Aufschrei, dass der gehypte Cayenne Turbo GT aus Bratislava kommt? Hat die Fan-Liebe geendet, weil der neue M2 ein Mexikaner aus San Luis Potosi ist? Und wie viele Kunden kaufen bewusst einen GLC Elektrisch (X540) weil er in Deutschland zusammen gebaut wird aber der BMW iX3 in Ungarn gefertigt wird? Wie viele Kunden wissen überhaupt wo ihr Fahrzeug gefertigt worden ist und auf welcher Hierarchie-Stufe steht "Produktionsort" in der Kaufentscheidung?
Adidas hat es versucht mit einer Fertigung von High-End-Schuhen in Deutschland und ist gescheitert, Apple hat es versucht mit einer neuen Mac-Fertigung in den USA und ist ebenso gescheitert. Ebenso kaufen wir fröhlich alle paar Jahre ein neues iPhone für sündhaft viel Geld, lieben die hochwertige Verarbeitung, die irgendwo Made in China bzw. Taiwan ist.
Ja, es ist richtig und massiv wichtig, dass nicht der Ausverkauf der Produktionsstandortes Deutschland beginnt. Aber dazu wird es einer besonderen Anstrengung bedürfen, zu der auch die Mitarbeiter einen Beitrag leisten müssen - weil der Wettbewerb in dem man sich befindet globaler denn je ist.
*Niemand = (leider) nicht nennenswert viele Personen, die eine Vergabeentscheidung für einen Produktionsstandort maßgeblich beeinflussen würden
Für mich sind Neuwagen von Mercedes ohnehin kein Thema mehr. Mindestens solange OK noch Chef ist.
Da bin ich jetzt mal ganz direkt: Das ist wirklich die blödsinnigste Aussage, die ich seit langem gelesen habe. Ich erinnere an dieser Stelle gerne an die Kisten, die einem unter dem Hintern weggerostet sind, an das Debakel der SBC-Bremse, an A-Klassen, die umfallen, an Renault-Motoren mit aufgehübschten Mercedes-Bauteilen.