Beiträge von MBRD_Ingenieur

    Apropos chauffeurtaugliche EVAII-Modelle. Das angeblich exklusiv für den chinesischen Markt geplante SUS wurde ua aus Kostengründen gecancelt. Die Jungs von Mercedes-Fans.de haben netterweise hinter die Bezahlschranke des Handelsblatts geschaut.

    https://www.mercedes-fans.de/magazin/news/e…eugklasse.20865

    Grüße

    Pano

    Wenn im Artikel steht "Von der neuen Fahrzeugklasse, die Mercedes-Benz im BEV-High-End kreieren wollte, gibt es noch keine Prototypen-Bilder", das Fahrzeug aber angeblich schon 2025 auf den Markt kommen sollte, dann sollte der kritische Leser seine Schlüsse daraus ziehen.

    Eben, das wäre auf jeden Fall mehr Mercedes/AMG „Mythos“ gewesen als ein „Speedster“… nur echt mit „Manufaktur“ Ausstattung…

    Als Option dann vielleicht je nach Einsatzzweck entweder mit „Touring“, „Dakar“ oder „Weissach“ Paket!?

    Cool wie hier schon wieder Urteile gefällt werden über ein Auto über das absolut nichts bekannt ist außer einer Silhouette der Seitenansicht :thumbup: Das ist die positive Grundhaltung die uns allen so gut tut!

    Musclecars sind ein weiteres Beispiel in der langen Reihe hier, die sich schlichtweg nicht auf die MB Fahrzeugpalette übertragen lassen.

    - man muss keine technisch anspruchsvollen Autos bauen

    Doch, das muss man absolut als MB. Das ist gradezu die DNA dieses Unternehmens. Man hat den Anspruch mit der S-Klasse das beste Auto der Welt zu bauen, und dort immer wieder den Rahmen was technisch möglich ist zu erweitern und neue Standards zu setzen.

    - man muss keine wirklich durchdachten und feingeschliffenen Autos bauen

    Doch, muss man. Siehe oben. MB als Firma und, viel wichtiger, die Kundschaft hat genau diesen Anspruch. Niemand kauft einen Mercedes weil er gerne ein Cockpit wie im Camaro hätte.

    - man muss eigentlich nur einen lauten V8 in eine beliebige Hinterradantriebs-Karosse stecken und das ganze zu einem Preis verkaufen, den sich viele Menschen leisten können. Und trifft damit den Nerv vieler Kunden.

    Das geht für einen sehr kleinen Teil der Kundschaft, nämlich die die genau so ein Fahrzeug suchen. Und das tun sie nicht bei MB.

    Wo kommt eigentlich diese plötzliche Begeisterung für Stellantis her? Weil es der eine Automobilhersteller weltweit ist, der dieses Jahr ein höheren ROS erzielt hat? Der aber sonst extrem wenig gemeinsam hat mit MB was Volumen, Markenvielfalt und Marktsegment hat.

    Ich hab einen gutem Kumpel in der Opel Entwicklung Rüsselsheim, und der teilt die Begeisterung so gar nicht. Über dem ganzen Standort schwebt seit Jahr und Tag das Damoklesschwert der Schließung und eine Sparrunde nach der anderen läuft durchs Unternehmen. Von einem 7.300€ Bonus können sie dort nur träumen.

    Ein bisschen mehr Info braucht es schon :) Waren es "nur" AMG Felgen oder war der X253 ein AMG Baumuster? Und wird der X254 wieder ein AMG oder ein ziviler MB?

    Am besten mal direkt die Radgröße nachschauen (z.B. 8,5Jx20) und die Motorisierung vom X254 nennen, dann kann ich sagen ob die Kombination zulässig ist.

    MBRD_Ingenieur

    Was sagst Du zum neuen Macan, dein subjektiver Eindruck?

    Generell stehe ich Porsche eher emotionslos gegenüber. Das SUV Segment interessiert mich nicht besonders, und bei Sportwägen habe ich andere Markenpräferenzen :)

    Trotzdem schauen wir uns die Porsche SUVs natürlich sehr genau an. Den Macan werden wir sicherlich als GLC Wettbewerber benchmarken. Mich interessiert naturgemäß immer am meisten das Fahrwerk, und da fällt mir ein gewisser Widerspruch auf. Im Text steht, dass beide Varianten des Macan standardmäßig mit Luftfeder kommen. In den Bildern vom Chassis sieht man aber links eine Stahlfedervariante und rechts die Luftfedervariante. Scheint also doch nicht durchgehend Luftfeder zu werden. Dazu haben sie 5° Hinterachslenkung, ein Feature was man in der Preisklasse inzwischen haben muss. Eine echte Meinung kann ich mir dann aber erst bilden wenn ich den Wagen mal ein bisschen über unser Prüfgelände bewegt habe.

    Und noch was völlig anderes, es gab vor einiger Zeit mal eine Diskussion hier über die Distronic die nur noch bis 160 km/ funktioniert. Am Wochende hatte ich einen X2 M35i von Sixt. Dort ging der Abstandsregeltempomat sogar nur bis Tempo 140, das fand ich dann auch ein bisschen dünn.

    MBRD_Ingenieur

    Ein Punkt nimmt mich Wunder, würdest Du aus fahrdynamischer Sicht , den schweren Batterieblock eher als Segen oder als Fluch bezeichnen ?

    Klassischer Fall von kommt drauf an :) Für die Querdynamik ist mehr Masse erstmal prinzipiell Gift. Zudem erfordern die großen Gesamftahrzeuggewichte auf Grund der erforderlichen Traglasten immer größere Rad/Reifenszenarien, die wiederum auch ihre Probleme mit sich bringen. Grade auch, weil sie reichweitenoptimiert sehr stark auf die Themen Rollwiderstand und Bremsweg ausgelegt werden.

    Auf der Plusseite ist aber der sehr tiefe Schwerpunkt zu nennen. Durch die tiefliegende Batterie ist die Masse günstig gelegen, das hilft natürlich gegen starke Wankbewegungen oder gar Kippneigung bei den SUVs. Und nicht zu vergessen der Schwingungskomfort, hier ist mehr Masse immer hilfreich. Zudem fällt mir dem elastisch gelagerten Verbrenner eine große Schwingmasse weg, die bei Straßenanregung in Bewegung gerät und störende Vibrationen auf die Insassen überträgt.

    Diese permantenten Verweise auf die Uhrenindustrie ermüden mich ehrlich gesagt ziemlich. Ich kann davon nichts auf unsere Idustrie übertragen, die Gründe habe ich ja oben bereits erläutert.

    as sich bei der BEV Technik grundlegend verändern wird ist weniger die Funktionalität der Autos, aber die Art und Weise wie sie entwickelt und gebaut werden - weshalb die Karten neu gemischt werden.

    Ich bin mir sehr sicher, dass ich dann doch wesentlich bessere und detailliertere Kenntnisse darüber habe, wie sich die Entwicklung vom Verbrenner zum BEV verändert hat. Das ist mein täglich Brot seit über 15 Jahren, das muss mir niemand im Internet erklären ;)

    Ich bringe noch einmal die Marke Omega, der ich in der Uhrenindustrie ein ähnliches Standing wie Mercedes attestieren würde. Die Marke hat sich ganz vorne auf den Zug der Quarztechnik gesetzt und dabei die Vorteile heraufgepriesen. Sie konnte ihre klassischen Modelle dünner machen, zudem wurden die Uhren pünktlicher und wartungsärmer - und für sich haben sie noch den Vorteil gesehen dass sie sie billiger produzieren können. Gedacht alsofür die Kunden der oberen Mittelklasse, die keinen "Mechanischen Fetisch" haben, aber schöne, dünne, genaue Uhren haben wollen. Die Folge war aber dass die Kunden denen das Werk egal war nicht eingesehen haben wieso sie für eine Omega den 2-3 fachen Preis bezahlen sollen - sie gleichzeitig aber auch die Kunden verloren die das "Besondere, Begehrenswerte" gesucht haben, und eine Vielfach höhere Zahlungsbereitschaft haben (und die Firmen reich machen) - für diese sogar stetig wachsende Kundschaft waren sie wiederum zu gewöhnlich geworden.

    Dieser Uhrenvergleich würde aber nur funktionieren, wenn der Motor bisher DER entscheidende Grund war für die Kunden einen Mercedes zu kaufen. Das glaube ich aber eben nicht, ein Mercedes lebt von viel mehr als nur dem Antrieb. Aktive Sicherheit, Crashsicherheit, Fahrwerkstechnik & Abstimmung, NVH, Interieur, MBUX, Hyperscreen, Assistenzsysteme, Design, Aerodynamik, usw. usw. Die Gründe einen Mercedes zu kaufen sind Legion, und die genannten Punkte bleiben auch alle mit einem Elektromotor als Differenzierungsmerkmal vorhanden.

    Ich versuche mal eine Antwort auf die einzelnen Punkte, aber wir kommen da Gedanklich nicht zusammen. Ich sehe einige Punkte diametral anders.

    Also, ich erwarte folgende Entwicklungen bei Elektrofahrzeugen:

    die Fahrzeuge werden mechanisch betrachtet simpler, das bedeutet auch dass die konstruktiven und abstimmungstechnischen Differenzierungsmöglichkeiten schrumpfen werden. Auch deshalb weil sich einfacher "dominante" Designs auch bei Bodengruppe / Fahrwerk etc. durchsetzen werden, die von Generation zu Genration gar nicht mehr groß verändert werden müssen (wie bei einem iPhone heute z.B.).

    Warum sollte das so kommen? Jetzt hatten wir 100+ Jahre die Grundkonfiguration Motor über der Vorderachse, Tank hinten bei abermillionen von Fahrzeugen. Die Differenzierung im Design und der Technik hat das überhaupt nicht eingeschränkt. Sehe keinen Grund, warum sich EVs nicht genauso differenzieren können wie bisher. Und dass sich auf Grund der Antriebsvariante ein bestimmter Einheitsfahrwerkstyp durchsetzen wird ist gelinde gesagt Quatsch. Es wird weiterhin von einfachsten low-cost bis hin zu den absoluten High-End Fahrwerken alles geben. Sieht man doch jetzt bereits an den BEVs die auf dem Markt sind, die Varianz an Fahrwerken ist die gleiche wie bei den Verbrennern.

    Es wird ein ruinöser Innovations- und Wettbewerbsdruck im "High-Tech" Bereich (Batterietechnik, digitale Lösungen etc.) entstehen, den am Ende nur ein paar ganz große überleben werden. Mit dieser Art Innovation werden keine kleinen und mittleren Firmen mithalten können, gerade auch nicht im High-End Bereich. Die Anzahl der kommenden und gehenden Chinesischen Start-ups ist für mich gerade ein Zeichen dafür dass es gerade um grundlegende und disruptive Innovationen, und nicht nur Optimierungen geht. Aber sehr schnell werden sich die paar ganz großen herauskristallisieren. Und ich bin zu 100% der Überzeugung dass Mercedes nicht dazugehören werden wird können (bestenfalls in irgendeiner Form über den Geely Konzern)

    Sehe ich auch nicht so, und ich betrachte MB auch nicht als kleine Firma. MB hat doch grade den Vorteil, dass es den Technologiewandel über ein weiterhin hochprofitables Verbrennergeschäft querfinazieren kann. Den Vorteil haben viele der neuen Wettbewerber schonmal nicht. Und dann gibt es ja noch Tesla. Die haben vor nicht mal 10 Jahren im Jahr 20.000 Autos verkauft, heute gehts eher Richtung 2 Mio. Warum sollten die jetzt bestehen, während MB untergeht? Von den reinen Stückzahlen liegt MB immer noch vorne und technologisch hat Tesla auch kein Alleinstellungsmerkmal. Sehe da keinen Grundlegenden Unterschied, und Tesla zeigt doch grade wie schnell eine "kleine Firma" zu den großen gehören kann.

    Elektroautos werden fraglos die dominierende Technik für den Alltag sein, aber die Produkte werden dadurch am Ende austauschbarer und "cleaner" - ich glaube kaum dass ibei diesem Wettbewerb jemand rein als Elektroautobauer wirklich reich werden wird (so we Hersteller von Quarzuhren oder CD-Playern).

    Sehe ich auch anders, siehe oben. Generell glaube ich, dass einem sehr großen Teil der Autofahrer der Antrieb deutlich egaler ist als sich das manche hier vorstellen können. Dieser, ich nenne ihn mal Zylinderfetisch, der auch hier im Blog sehr ausgeprägt ist, haben in meinen Augen ein gewisser Teil der Kundschaft. Die ganz große Menge der Leute draußen interessiert wenn überhaupt die Fahrleistung und nicht ob da jetzt 4 oder 6 Zylinder unter der Haube sind.

    Zum Uhren- bzw. HiFi-Vergleich hatte ich ja schonmal was geschrieben. Ich halte das grundlegend schlicht nicht auf die Autoindustrie übertragbar. Der Verbrenner hat ein politisches und regulatorisches Ablaufdatum. Das mag sich noch hier und da verschieben oder verlängern, aber eine Kehrtwende ist nahezu ausgeschlossen. Wer als Firma auf eine Todgeweihte Technologie setzt, schaufelt sich sein sicheres Grab. Und nicht derjenige, der die Transformation angeht um auch in Zukunft zu den Technologieführern zu gehören.

    Ich bin immer noch unsicher, worauf der Vergleich mit den Plattenspielern/CDs genau abzielt. Aber falls die Botschaft ist, dass sich MB zu einem Retrohersteller für Liebhaber entwickeln soll dann kann ich dem gar nicht genug widersprechen. Sollte irgendwann mal die Strategie ausgerufen werden, dass wir die Zukunft des Unternehmens in Verbrenner-Kleinserien für betuchte Kunden sehen würde ich mir asap einen neuen Arbeitgeber suchen.